Zehn exotische Früchte, die man während eines Kolumbien-Urlaubs unbedingt probieren muss

Kolumbien ist bekannt für seine Artenvielfalt – und um diese kennenzulernen, muss man keineswegs entlegene Urwaldflüsse oder unzugängliche Andentäler bereisen. Der Besuch eines kleinen Lebensmittelmarktes reicht vollkommen aus, um einen ziemlich genauen Eindruck davon zu bekommen, wie gross in dem südamerikanischen Land die Diversität alleine bei den Früchten ist. Wir stellen Ihnen zehn Obstarten vor, die – wie wir meinen – ausserordentlich exotisch sind und die Sie während Ihres Urlaubs in Kolumbien unbedingt probieren müssen.

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–       Lulo (oder auch Naranjilla de Quito – Solanum Quitoense): eine orangefarbene, runde Frucht, die einen leicht säuerlichen Geschmack hat und die ausnahmslos nur für die Zubereitung eines erfrischend schmeckenden Fruchsafts verwendet wird. Wegen ihres spanischen Namens Naranjilla de Quito darf davon ausgegangen werden, dass die Lulo-Frucht ihren Ursprung in Ecuador hat.

 

–       Feijoa (Acca Sellowiana): ein leicht “runzelige”, grüne und ovale Frucht, die etwas kleiner als ein Ei ist. Ihr Geschmack ist leicht säuerlich, daher wird sie überwiegend für die Zubereitung von Fruchtsäften hergenommen. Ihren Namen erhält sie in Erinnerung an den brasilianischen Naturforscher und Philosophen João da Silva Feijó, dem ehemaligen Leiter des Naturhistorischen Museums von São Sebastião. Sie wird oft auch “Guayaba von Brasilien” genannt, was die Vermutung erlaubt, dass die Frucht ursprünglich aus eben diesem Land kommt.

 

–       Gulupa (Passiflora Pinnatistipula): eine tief weinrote, apfelrunde Frucht, deren Inneres der Maracuya  ähnelt. Ursprünglich aus Brasilien stammend, ist sie heute eine der meist exportierten Früchte Kolumbiens. Während vor sieben Jahren lediglich 500 Tonnen ins Ausland verkauft  wurden, sind es heutzutage rund 3000 Tonnen. Die Gulupa-Frucht wird in erster Linie für Fruchtsäfte, süsse Nachspeisen oder Eismischungen verarbeitet.

 

–       Curuba (Passiflora Tripartite): ist eine längliche, der Banane ähnliche Frucht, die zur Familie der Passionsfrüchte gehört (auch bekannt unter der Bezeichnung Banana Fruta de la Pasión). Auf Marktplätzen und in Supermärkten ist sie etwas leichter zu finden, als die Gulupa-Frucht. Wegen ihres säuerlichen Geschmacks wird sie ebenfalls überwiegend zur Zubereitung von Fruchtsäften verwendet und sie ist praktisch das ganze Jahr über zu bekommen.

 

–       Uchuva (Physalis Peruviana): kommt ursprünglich –  wie der Name vermuten lässt – aus Peru und ist mit einer jährlichen Exportsumme  von rund 30 Millionen Dollar so etwas wie die Königin unter den exotischen Früchten Kolumbiens. Uchuvas haben einen leicht säuerlichen Geschmack und werden roh gegessen oder sie werden zur Verzierung von Salaten oder Cocktails hergenommen. Sie sind klein, rund und orangefarben.

 

–       Tomate de árbol (oder auch Baumtomate – Solanum Betaceum): eine weitere Frucht, die in Kolumbien überwiegend zur Zubereitung von Fruchtsäften verwendet wird. Sie ist ausserordentlich vitaminreich und gehört zu den zehn kolumbianischen Früchten, die das grösste Exportationspotential haben. Im Ausland ist sie unter dem Begriff Tamarillo bekannt und obwohl ihr Ursprung zweifellos in den südamerikanischen Anden liegt, werden die europäischen Märkte in erster Linie von Früchten aus Neuseeland versorgt.

 

–       Zapote Sudamericano (Südamerikanische Sapodilla – Quararibea Cordata): im Gegensatz zu den mexikanischen, bzw. mittelamerikanischen Sapodilla Früchten, gehört die südamerikanische Sapodilla Frucht eigentlich gar nicht zur gleichen Familie, sondern ist statt dessen ein Malvengewächs (Malvaceae).  Sie hat ihren Ursprung im Amazonasbecken und ist leicht erkennbar wegen ihrer braunen, holzartigen Schale. Ihr Inneres besteht aus einem orangefarbenen Fruchtfleisch, das roh gegessen wird.

 

–       Pitahaya Amarilla (Gelbe Pitahaya – Hylocereus Megalanthus): wird überwiegend exportiert – für den kolumbianischen Konsumenten ist die Frucht noch recht unbekannt, obwohl sie auf fast allen Marktplätzen relativ leicht zu bekommen ist. Ihrem süsslich schmeckenden, weissen Fruchtfleisch werden ausgesprochen gesunde Eigenschaften nachgesagt: sie ist reich an Vitamin C und B und enthält Mineralien, Kalzium, Phosphor, Eisen und pflanzliche Proteine. Wegen ihres Aussehens – ihre gelbe Schale ist stachelig und mit unzähligen Falten versehen – ist die Frucht in Kolumbien unter dem Begriff Fruta de Dragón – Drachenfrucht bekannt.

 

–       Borojó (Borojoa Patinoi): stammt von der kolumbianischen Pazifikküste und ist so etwas wie der “Superstar” unter den Früchten des südamerikanischen Landes, wenn es um den Gesundheitswert von Obst geht. Äusserlich ist die Borojó-Frucht wegen ihres braunen und – zumindest im reifen Zustand – extrem schrumpeligen Aussehens eher unattraktiv. Ihre innerlichen Werte jedoch können sich sehen lassen: wegen ihres hohen Vitamin A und C – Gehalts, ihrer essenziellen Fettsäuren und da sie ausgesprochen reich an Magnesium, Kalzium, Phosphor, Zink und Eisen ist, wird sie gerne als medizinisches Allroundtalent bezeichnet. Nachgesagt wird ihr ausserdem, dass sie den Zuckerhaushalt im Blut ausgleicht und dass sie ein wirksames Mittel gegen bronchiale Beschwerden darstellt. Dass sie nebenbei auch noch das Hungergefühl eindämmt und aphrodisierende Eigenschaften und eine stark potenzsteigernden Wirkung haben soll, muss wahrscheinlich nur noch am Rande erwähnt werden. Die Frucht schmeckt am besten, wenn man sie als Saft zubereitet.

 

–       Mangostino (Mangostan-Frucht – Garcinia Mangostana): bis vor wenigen Jahren war die Mangostan-Frucht auch auf kolumbianischen Marktplätzen noch verhältnismässig unbekannt – heute jedoch hat sie sich wegen ihres hervorragend schmeckenden, weissen Fruchtfleisches einen Stammplatz in den Einkaufskörben kolumbianischer Hausfrauen erobert. Zwar gehört sie eher zu den teureren Obstsorten, allerdings wird sie wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften sehr geschätzt. Kolumbiens Fruchtexporteure wollen sie demnächst auch auf internationalen Märkten in Europa und den USA anbieten.

 

 

 

 

Kolumbiens Kaffeeregion feiert ein rundes Jubiläum

Die Kaffeezone (oder auch Kaffeedreieck genannt), eine der grössten Tourismusdestinationen Kolumbiens, feiert am 25. Juni ein besonderes Jubiläum: den fünften Jahrestag, seitdem die Region im Jahr 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit ernannt wurde. Grund genug, Bilanz zu ziehen und sich mit der Frage zu beschäftigen: hat die von der UNESCO verabschiedete Erklärung positiv zur Entwicklung der Region beigetragen?

Kaffee Kolumbien

Der Begriff Paisaje Cultural Cafetero, der übersetzt Kaffee-Kulturlandschaft bedeutet, bezieht sich auf insgesamt 47 Gemeinden, die in den vier Provinzen Caldas, Risaralda, Quindio und Valle de Cauca gelegen sind. Bereits vor rund 4000 Jahren kannten die Menschen, die die Region damals bevölkerten, organisierten landwitschaftlichen Anbau. Die vorteilhaften klimatischen Bedingungen, zusammen mit den besonders fruchtbaren Böden, die sich überwiegend aus Vulkanerde zusammensetzen, schaffen bis heute beste Voraussetzungen für die Kultivierung von Kakao, Zuckerrohr, Yuca, Kochbananen, Kartoffeln  –  und eben auch Kaffee.

Rund um Manizales, Pereira, Armenia und Cartago haben es die Kaffeebauern und ihre entsprechenden Vertreter-Organisationen auf eindrucksvolle Weise geschafft, tausende kleiner Kaffee-Plantagen harmonisch in die bergige Anden-Landschaft einzufügen. Obwohl die Produktion des weltweit besten Kaffees zu den Haupteinnahmequellen der Kaffeezone zählt, hat man nirgendwo den Eindruck, die Gegend wäre durch eine landwirtschaftliche Monokultur geprägt. Zwischen den Kaffeepflanzen wachsen u.a. Orangen-, Zitronen-, Bananen- und Kochbananenbäume. Mit ihrer Erklärung aus dem Jahr 2011 trägt die UNESCO daher den Bemühungen der Bauern Rechnung und honoriert ihre über Generationen hinweg betriebenen Anstrengungen, landwirtschaftliche Tätigkeiten harmonisch in die Landschaft einzufügen.

Insgesamt mehr als 75 Millionen Dollar haben die kolumbianische Regierung und verschiedene Wirtschaftsverbände in den vergangenen fünf Jahren in die Region investiert. Während dieses Zeitraums nahmen 263.000 Kaffeebauern an staatlich unterstützten Ausbildungsprogrammen teil, 25 Musikschulen verschiedener Gemeinden wurden mit neuen Instrumenten ausgestattet, 16 Kulturzentren wurden ausgebaut oder renoviert und 35 öffentliche Bibliotheken mit neuen Büchern ausgestattet. Mehr als 2850 Bewohner der Eje Cafetero genannten Kaffeezone haben entweder an kulturellen Programmen teilgenommen oder haben sich staatlichen Lehrgängen angeschlossen, die regionale Start-Ups unterstützen. Die Kaffeeregion ist heute nicht nur eine Gegend, die ihre traditionellen Ursprünge pflegt und erhält, sondern sie ist darüber hinaus ausserdem zu einer modernen, zukunftsorientierten Region gewachsen.

Lina Rivas, Geschäftsführerin des Komitees “Paisaje Cultural Cafetero de Colombia PCCC – Kaffee-Kulturlandschaft Kolumbiens“, fasst die Bemühungen der vergangenen fünf Jahre so zusammen: “Es ist zweifellos eine Herausforderung, die Balance zwischen sinnvoller wirtschaftlicher Produktivität einer Region und landwirtschaftlichem Raubbau zu finden, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Stillstand und einem Fortschritt, der die geopolitischen und historischen Bedingungen unseres Kulturkreises berücksichtigt. Mit unserer Arbeit möchten wir deshalb sicherstellen, dass künftige Generationen eine produktive Kaffeeregion vorfinden, eine Gegend, die stolz auf ihre Wurzeln ist.”

Wer Gelegenheit hat, das Kaffeedreieck Kolumbiens zu bereisen und kennenzulernen, der wird sicherlich zu dem Urteil kommen, dass die zurückliegenden Bemühungen der Bewohner keinesfalls vergeblich waren. Die Kaffeeregion ist heutzutage nicht nur eine der fortschrittlichsten Gegenden des Landes in Hinblick auf ihre Infrastruktur – modern ausgebaute Strassen verbinden die Region mit dem Rest des Landes, drei, teils internationale, Flughäfen befinden sich im Umkreis von gerademal 100 Kilometern  -, sondern sie zeichnet sich davon abgesehen auch durch ihre tiefe Verbundenheit zu jahrhundertealten Traditionen und Bräuche aus.

Text: Oliver Schmieg

Kolumbien trifft im Viertelfinale der Copa América überraschend auf Peru

Vergangenen Samstag wurde José Pékerman noch ausgelacht. Nachdem der Trainer der kolumbianischen Fussball-Nationalmannschaft gegen Costa Rica eine B-Elf auf’s Feld geschickt hatte, die dem mittelamerikanischen Team überraschend mit 2:3 unterlegen war, standen die Prognosen für das Viertelfinale der Copa América eher schlecht. Den ersten Platz der Gruppe A hatten die Cafeteros unnötig verloren – so die gängige Meinung in Kolumbien -, voraussichtlicher Gegner im Viertelfinale wäre damit Brasilien gewesen.

Colombia-Costa-Rica

Pékermans Kritiker hatten die Rechnung allerdings ohne die Nationalmannschaft aus Peru gemacht. Im letzten Spiel der Gruppe B besiegten die Spieler um Paolo Guerrero überraschend Brasilien mit 1:0 und beendeten die Gruppenphase an der Spitze ihrer Gruppe.

Kommenden Freitag trifft die kolumbianische Fussball-Nationalmannschaft daher in East Rutherford auf Peru. Hätten Pékermans Kicker gegen Costa Rica zumindest ein Unentschieden erreicht, dann hiesse der Gegner im Viertelfinale Ecuador – vermeintlich das schwierigere Team, bedenkt man, dass die Kicker aus Quito augenblicklich einen hervorragenden zweiten Platz in der südamerikanischen Gruppe zur WM-Qualifikation 2018 einnehmen.

José Pékerman, der die kolumbianische Nationalmannschaft seit 2012 trainiert, hat sich mit dem eher wenig schmeichelhaften Ergebnis gegen Costa Rica einmal mehr als ein aussergewöhnlicher Stratege hervorgetan. Vor zwei Jahren hatte er mit den Cafeteros noch das beste Ergebnis einer kolumbianischen Fussball-Nationalmannschaft bei einer WM feiern können – Kolumbien schied damals erst gegen Brasilien unglücklich im Viertelfinale aus – und heute straft er seine Kritiker Lügen bei der Copa América in den USA. Alles andere als ein Einzug in’s Halbfinale wäre angesichts des nächsten Gegners von Kolumbien eine Überraschung.

Willys Jeep, ein Kult-Auto der Kaffeezone

Yipao ist in Kolumbiens Kaffeeregion ein sehr gängiger Begriff, den jedoch viele Bewohner anderer Teile des südamerikanischen Landes kaum – oder nur schwer –  verstehen. Das Wort Yipao ist ganz einfach eine spanische Version des englischen Begriffs Jeep und bezieht sich auf Bräuche und Sitten, die im Zusammenhang mit den kleinen Willys-Geländewagen nordamerikanischer Herstellung stehen.

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Ab 1950 importierte die Firma “Leonidas Lara e Hijos” im Rahmen der “Allianz für amerikanische Länder – Alianza para las Americas” insgesamt 100 der rührigen und äusserst robusten Kleinwagen nach Kolumbien. In der Kaffeezone, in der unzählige kleine Fincas weit verstreut an abgelegenen und steilen Berghängen liegen, fanden die ersten Willys Jeeps dankbare Abnehmer. Mit kleinen technischen Änderungen versehen, waren sie bereits vor Jahrzehnten die idealen Fahrzeuge, um schwer beladen die engen und kurvigen Schotter-Bergstrassen rund um Armenia, Pereira und Manizales entlangzufahren. Tonnenschwere Kaffee-Ernten konnten damit leicht zu den Marktplätzen der umliegenden Dörfer und Städte gebracht werden.

Die meisten Kolumbianer hegen ein regelrecht liebevolles Gefühl für das wendige Auto. Entwicklung und Fortschritt der Kaffeezone, so glauben sie, sind eng mit dem nordamerikanischen Fahrzeug verbunden. In den pittoresken Bergdörfern der Region findet man deshalb auch heute noch an fast jeder Strassenecke einen geparkten Willys Jeep. Reich verziert – und oft mit modernen, hubraumstarken Motoren anderer Fahrzeuge versehen – leisten sie auch noch im 21. Jahrhundert treue Dienste in den tiefen Tälern der kolumbianischen Anden.

Im Rahmen zahlreicher Dorf- und Stadtfeste werden Willys Jeeps heutzutage gerne ausgestellt oder bewerben sich gar um Preise. Beim Wettbewerb “Wer fährt die längste Strecke auf den Hinterrädern seines hecklastig beladenen Fahrzeuges” ist seitens des Fahrers besonders viel Geschick nötig.  Eine der bekanntesten Veranstaltungen findet Ende Juni/Anfang Juli in Calarcá, Quindio statt. Bei der “Fiesta Naciónal del Café” wird nicht nur die Schönheitskönigin des Kaffees gewählt, sondern es werden darüber hinaus am 03.07.2016 auch die aussergewöhnlichsten Willys Jeeps und deren beste Fahrer gekürt.