Tatacoa, Tierradentro, San Agustin und Popayan: beeindruckende Landschaften, indigene Kulturen und koloniale Architektur

Teil 1: Tatacoa-Wüste/Desierto de la Tatacoa

Vor kurzem hatten wir wieder mal die Gelegenheit, unsere Südtour “unter die Räder zu nehmen”. Zusammen mit unseren liebenswerten Gästen Sabine und Christian aus München, haben wir uns auf eine zehntägige Reise gemacht, die ohne jeden Zweifel zu den Highlights einer jeden Kolumbien-Rundreise gezählt werden darf.

Tatacoa Wüste

Nach einem nur 30-minütigen Flug von Bogota aus, beginnt unsere Tour in Neiva, der Hauptstadt des Bundeslandes Huila. In der knapp 300.000 Einwohner zählenden, quirrligen und geschäftigen Stadt decken wir uns zunächst mit Wasservorräten ein. Wegen eines Streiks der kolumbianischen LKW-Fahrer, der während unserer Reise andauerte, war in kleineren Ortschaften mit Versorgungsengpässen zu rechnen. In Viallavieja, dem Eingangsort zur Tatacoa-Wüste, so dachten wir deshalb, könne es eventuell Schwierigkeiten geben, genügend Getränke zu bekommen – und bei Durchschnittstemperaturen von rund 30 °C ist die Mitnahme von genügend Flüssigkeit nicht nur eine Empfehlung, sondern statt dessen sogar ein unbedingtes Muss!

 

Kleines Dorf mit grosser Geschichte

Villavieja wurde bereits am 18. August 1550 gegründet. Bekannt ist in der kleinen, fast vergessen scheinenden Ortschaft vor allen Dingen die Santa Barbara – Kapelle, das älteste Gotteshaus des Bundeslandes Huila. Nachdem wir unser Hotel bezogen haben, machen wir uns auf einen Rundgang durch das am Río Magdalena gelegene Dorf. Zwar bietet es auf den ersten Blick nicht all zu viel, allerdings sollte man es auf gar keinen Fall unterschätzen. Das Paläontologische Museum, in einem Nebenbau der Santa Barbara – Kapelle untergebracht, beherbergt eine beeindruckende Fossilien-Sammlung: unter anderem ist dort der versteinerte, rund 1,5 Meter breite Rückenpanzer einer Riesenschildkröte ausgestellt, der erst im Jahr 2014 entdeckt wurde.

Sobald es etwas kühler wird, machen wir uns auf den Weg in’s Herz der Tatacoa-Wüste. Eine kleine, kurvige Strasse windet sich vorbei an übermannshohen Kakteen, die einsam der Sonne trotzen. Die Gesamfläche der Region beträgt 330 km² und bemerkenswert ist, dass das Landschaftsbild weder von Strommasten, noch von Kabeln unterbrochen wird. Grund dafür ist die Sternwarte, die nach wenigen Kilometern links neben der Strasse auf einem Hügel zu sehen ist. Damit der nächtliche Sternenhimmel, der hier zu den schönsten Kolumbiens zählt, ohne störende Lichtverschmutzung beobachtet werden kann, gibt es in der gesamten Wüste keinen Strom. Da die Gegend in unmittelbarer Nähe zum Äquator gelegen ist, bietet sich hier ein einzigartiger Blick sowohl auf den Himmel der nördlichen, als auch auf den der südlichen Hemisphäre.

Die Tatacoa-Wüste erhält ihren Namen von einer Schlange, die früher in der abgelegenen Gegend zuhause war. Als der spanische Eroberer Jiménez de Quesada das Tal zwischen Río Magdalena und Río Cabrera erstmals im Jahr 1538 bereist, nennt er es “El Valle de las Tristesas – Das Tal der Traurigkeit”. Bezug nahm der Spanier damit auf eine Landschaft, die kaum verlassener und lebensfeindlicher sein könnte. Bis zu 20 Meter tiefe Cañons erschwerten bereits im 16. Jahrhundert das Fortkommen und die erodierten Böden, die so typisch für die Tatacoa-Wüste sind, schaffen eine Umgebung, die kaum surrealer sein könnte. Der argentinische Fernsehsender Fox hatte im ersten Semester 2016 über Wochen hinweg einen Filmset in der Nähe der Sternwarte aufgebaut – über den Inhalt ihrer Aufnahmen wollten die freundlichen Kollegen allerdings keine Auskunft geben.

 

Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch

Am Fusse einer kleinen Raststätte, in der die freundlichen Betreiber Guarapo – frisch ausgepressten Zuckerrohrsaft – verkaufen, lassen wir unser Auto stehen und beginnen eine Wanderung, die uns rund eineinhalb Stunden lang durch den Cuzco genannten Teil der Wüste führt.

Zunächst besteigen wir einen kleinen Hügel und geniessen für einen Moment die Aussicht. Weit verstreute Bauernhöfe verlieren sich am Horizont und ein paar einsame Ziegenherden sind die einzigen Lebewesen, die wir in der Landschaft sehen. Wir wandern anschliessend durch ein System winziger Täler, die sich voneinander durch steil ansteigende Bergwände trennen. Die Gegend wird nicht umsonst “Labirinto – Labyrinth” genannt: Wer den Weg nicht kennt, muss sicherlich ein paar Mal umdrehen, weil er sich verlaufen hat. Da die Strecken, die man dabei zurücklegt jedoch nicht lang sind, ist es nicht sonderlich ärgerlich ein paar Extra-Schritte zu laufen. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Meter den man geht, entdeckt man neue Details im Sand, sieht man kuriose Gesteinsformen, die die Erosion über Jahrtausende hinweg geschaffen hat.

Über Ventanas, einen weiteren Aussichtspunkt, der rund vier Kilometer von Cuzco entfernt ist, gelangen wir später nach Los Hoyos. Während im vorderen Teil der Wüste die Landschaft durch Rot- und Ockertöne geprägt ist, herrschen im entfernteren Teil der Tatacoa-Wüste eher Grautöne. Wenngleich die Region nicht besonders gross ist, so ändert sich doch ständig die Umgebung.

In Los Hoyos hat der Eigentümer eines Restaurants einen einladenden Swimmingpool inmitten einer bizarren Mondlandschaft konstruiert. Turkisgrünes Wasser lädt zum Baden ein. Während der Wind ringsherum kleine Staubwolken über den Boden treibt, lässt es sich im Pool eine Weile ganz gut aushalten.

Morgen steht uns die Rückreise nach Neiva bevor. Über Tierradentro, San Agustin und Popayan – so unser Plan – werden wir anschliessend nach Cali weiterfahren. Für heute jedoch geniessen wir die Stille und Abgelegenheit, die so charakteristisch für die Tatacoa-Wüste sind. Der Ort könnte kaum besser gewählt sein, um sich zumindest für einen Moment vom Stress des Alltags zu erholen.

 

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